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Dietrich Holler, Leitung Kommunikation Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft e. V. (DLG) und Dr. Karl Schlösser, Projektleitung der Fachausstellung für Tierhaltung und -management „EuroTier“. UMWELT

Tierwohl in Deutschland

Dietrich Holler, Leitung Kommunikation Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft e. V. (DLG) und Dr. Karl Schlösser, Projektleitung der Fachausstellung für Tierhaltung und -management „EuroTier“ zum Thema artgerechte Tierhaltung.

Was kann die Wissenschaft für die Landwirtschaft tun?

Dietrich Holler: Seit mehr als 130 Jahren hat die DLG es sich zur Aufgabe gemacht, den Fortschritt in der Landwirtschaft und der Herstellung von Lebensmitteln zu fördern – sowohl technologisch als auch sozial, ökonomisch und ökologisch. Unsere Arbeitsschwerpunkte lassen sich als Dreieck darstellen: Ein Bereich ist die „Fachliche Arbeit“, unsere Funktion als Think Tank, die Durchführung von Studien und die Herausgabe von Praxis- infos zu aktuellen Themen wie Pflanzenschutz oder Tierwohl. Eng verbunden damit sind das „Testen und Prüfen“ von Lebensmitteln und landwirtschaftlicher Technik sowie „Messen“ wie die AGRITECHNICA.

Worauf legen Sie derzeit Ihren Fokus?

Dr. Karl Schlösser: Mit den Jahren hat sich eine immer stärkere Fokussierung auf Teilbereiche entwickelt, die dem Alltag in der Landwirtschaft gerecht wird: Die Profis in der Tierhaltung sind in der Regel nicht länger breit aufgestellt, sondern auf einen Bereich spezialisiert.

Die Eutergesundheit wird mit einem speziellen Bereich und Diskussionsforen einen Schwerpunkt bilden, Emissionsminderung ist aktuell ein weiteres zentrales Thema in der Landwirtschaft – und damit auch auf der EuroTier.

Auf einer Hallenfläche von 280 000 Quadratmetern erwarten wir auch in diesem Jahr etwa 2500 Aussteller zur EuroTier. Mehr als die Hälfte von ihnen sind internationale Anbieter – aus über 50 Ländern. Die Messe stellt Anfang November in Hannover alles rund um die landwirtschaftliche Nutztierhaltung vor.

Dietrich Holler: Wir sind die fachliche Stimme, die das Know-how aus der wissenschaftlichen Forschung an die Praxis vermittelt und umgekehrt zeigt, was die Landwirte benötigen. Impulse für unsere Arbeit und die aktuellen Aufgaben kommen dabei von unseren mehr als 27.000 Mitgliedern und einem großen Netzwerk ehrenamtlicher Experten. Derzeit stehen vor allem Aspekte wie Tierwohl und Lösungen für eine noch nachhaltigere Landwirtschaft im Fokus.

Auf der Basis unserer Qualitätsprüfungen, etwa der sensorischen Prüfung von Lebensmitteln oder der Tests von Betriebsmitteln und Landtechnik, vergeben wir unsere traditionsreiche Auszeichnung. Die DLG-Tests geben Verbrauchern ebenso Sicherheit wie landwirtschaftlichen Investoren.

Welchen Neuheiten bekommen die Besucher der Messe zu sehen?

Dr. Karl Schlösser: Beim Stallbau stellt die Messe je nach Tier spezielle Techniken vor. Aufgrund der steigenden Nachfrage nach Haltungsformen, die das Tierwohl verstärkt berücksichtigen, werden Neuheiten in diesem Bereich im Vordergrund stehen, auch wenn wir weiterhin die gesamte Palette zeigen, die sich auch an den Bedarfen anderer Märkte orientiert. Es gibt den Bereich Futter und Futterkomponenten, hier fließt viel Forschung ein. Lebende Tiere wird es nur wenige zu sehen geben, die Messe ist keine Zuchtschau. In erster Linie bringen die Anbieter Zahlen, Bilder und Informationen zur Genetik mit, sodass Interessenten Rassen passend zu Regionen und Absatzmärkten wählen können. Gülletechnik und Bio-Energie sind weitere Themen: Landwirte nutzen Synergien durch die Produktion von Biogas.

Fakten

Fakten

Die DLG:

Die DLG e.V (Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft) wurde von dem Ingenieur und Schriftsteller Max Eyth gegründet. Seit der Gründung im Jahr 1885 hat sie über 27.000 Mitglieder bekommen. Sie ist eine Spitzenorganisation der Agrar-und Ernährungswirtschaft und fördert wissenschaftlichen und technischen Fortschritt. Die DLG ist eine für jeden offene Fachorganisation, ist politisch unabhängig und sieht sich als neutrales, offenes Forum des Wissensaustausches und der Meinungsbildung.

Die „EuroTier“:

Internationale Fachausstellung für Tierproduktion und Management.

Seit 1996 findet die Messe alle zwei Jahre im November im Wechsel mit der Agritechnica auf dem Messegelände Hannover statt. Die Messe nimmt weltweite Bedeutung und Einfluss auf technische Entwicklungen in der Tierhaltung für sich in Anspruch. Hauptausstellungsbereiche sind neben Rind, Schwein, Geflügel und Produkten für alle Tierarten die seit 2006 stattfindende Ausstellung EnergyDecentral, die sich auf nachwachsende Rohstoffe und dezentrale Energieversorgung konzentriert.

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Journalist

Ulrike Christoforidis

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