ANALYSE: GESELLSCHAFT

DIE ONLINE-PLAFFORM FÜR THEMEN RUND UM UNSERE GESELLSCHAFT
ANZEIGE

URBAN WINDELEN, BUNDESGESCHÄFTSFÜHRER DES BUNDESVERBANDS ENERGIESPEICHER (BVES)

Speichermärkte rapide am wachsen

Energiespeichertechnologien garantieren Versorgungssicherheit. Urban Windelen fordert einen „fairen und diskriminierungsfreien“ Marktzugang.

Zu den größten globalen Herausforderungen gehört die Transformation unseres Energiesystems. Entscheidend für den Schutz der Umwelt und den Erfolg der Wirtschaft ist eine effiziente Nutzung der Erneuerbaren Energien. „Ein Baustein für die Umsetzung der Energiewende ist der Einsatz von Energiespeichertechnologien. Sie können die Schwankungen ausgleichen, die durch das Einspeisen von volatiler Sonnen- und Windenergie entstehen. Innovative Speichertechnologien werden auch gebraucht, um Versorgungssicherheit zu garantieren und Kosten für Industrie und Verbraucher gering zu halten“, sagt Urban Windelen, Bundesgeschäftsführer des Bundesverbands Energiespeicher (BVES). Um diese Rolle einzunehmen, bräuchten Speicher allerdings einen fairen und diskriminierungsfreien Marktzugang. Vorrangiges Problem sei, dass das deutsche Energierecht Speicher als „Erzeuger“ oder „Verbraucher“ einstufe und daher mit doppelten Abgaben belege, was neuen sinnvollen Einsatzmöglichkeiten im Wege stehe. Andererseits seien Pumpspeicherwerke teilweise von der Schließung bedroht, weil sie sich nicht mehr rechnen. „Dabei brauchen wir dringend neue Pumpspeicherwerke. Was fehlt, sind Anreize für Investitionen in den weiteren Ausbau“, fordert Windelen.

Ob Speicher mit schnellen Reaktionszeiten zur Frequenzhaltung im Stromnetz oder für die Speicherung großer Energiemengen über eine längere Zeit: Die heute verfügbaren Speichertechnologien decken hinsichtlich Speicherdauer und -kapazität bereits viele Anwendungsfälle ab. Die Bandbreite der Speichertechnologien zeigt sich auch in der Möglichkeit, die Energieform im Speicherprozess zu transformieren. Beispiele sind Power-to-Gas, wodurch erneuerbare Elektrizität in den Transport- und Gassektor integriert werden kann, oder etwa Power-to-Heat, wodurch Strom zu Wärme gewandelt und gespeichert werden kann. Power-to-Power-Stromspeicher hingegen garantieren eine stabile Netzfrequenz, schaffen einen Ausgleich zwischen Erzeugung und Verbrauch und bringen erneuerbaren Strom vom Tag in die Nacht und von heute nach morgen.

„Die neuen Märkte für Speicher wachsen rapide“, betont Windelen. Besonders nachgefragt seien aktuell batteriegestützte Technologien wie etwa Hausspeicher, die dann zusätzlich zu sogenannten Schwarmspeichern zusammengefügt werden und so ein Großkraftwerk ersetzen können, sowie Batterie-Großspeicher im Regelenergiemarkt. „Zudem beobachten wir, dass altbekannte Technologien im neuen Kontext betrachtet und damit wieder interessant werden. Speicherheizungen beispielsweise, die sich aufgrund der fortschreitenden Digitalisierung smart steuern lassen, punkten mit hoher Effizienz.“ Bei der Wahl der jeweils passenden Technologie sei es unabdingbar, mit der gewünschten Anwendung zu starten und eine technologieoffene Herangehensweise zu wählen. Für die Zukunft erwartet Windelen weiter sinkende Preise für Speichertechnologien, zunehmend gemischte Geschäftsmodelle – etwa die Kombination von Netzdienstleistungen und Eigenversorgung – sowie eine ausgeprägtere system-, sektoren- und technologieübergreifende Herangehensweise, da diese große Effizienzgewinne verspricht.



Weitere Artikel