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"Moderne Landwirtschaft ist weit mehr als Precision Farming" – Siegfried Hofreiter

„Kaum eine andere Branche kann Natur und Technik mehr verbinden.“

Ich erinnere mich an eine Zeit, da war Weizen so billig wie Kieselsteine. Dies ist heute unvorstellbar, aber gerade einmal 10 Jahre her und wird sich voraussichtlich niemals wiederholen.

Kaum eine Branche hat sich im Lauf der Zeit so gewandelt wie die Landwirtschaft und ist im Kern doch im wahrsten Sinne bodenständig geblieben. Und kaum eine andere kann Natur und Technik mehr verbinden. Dabei ist die Weiterentwicklung von Anfang an in unserer Branche verwurzelt: die Einführung des Pfluges, der Einsatz von Ochsen, die Entwicklung von Sämaschinen und Traktoren. Die Geschichte der Landwirtschaft ist reich an Erfindungen, die die Arbeitsweise immer wieder revolutioniert haben und die ihre Produktivität beträchtlich steigerten. Diese Weiterentwicklung ist heute wichtiger denn je, stehen den inzwischen mehr als 7 Milliarden Menschen doch die nicht vermehrbare Ressource Ackerland, der Klimawandel und die Herausforderungen des globalen Marktes gegenüber.

Wer bei moderner Landwirtschaft an Precision Farming denkt, liegt zwar richtig. Die technologische Weiterentwicklung von Maschinen in Verbindung mit den modernen Möglichkeiten der Kommunikation und Datenauswertung bietet uns Landwirten ohne Zweifel fantastische Chancen. Doch der moderne Landwirt muss mehr tun, um im globalen Markt zu bestehen. Er muss sich beispielsweise hinterfragen, ob er die richtigen Produkte für die Nachfrage der Verbraucher anbaut.

Hier zwei Beispiele: War es vor zehn Jahren praktisch undenkbar, Soja in Deutschland anzubauen, gehört die Frucht heute zu den Wachstumstreibern von KTG Agrar. Als Erzeuger von gentechnikfreiem Soja in Ostdeutschland, Rumänien und sogar in Litauen profitieren wir vom Trend zur vegetarischen Ernährung. Darüber hinaus bauen wir in diesem Jahr auf 100 Hektar in Brandenburg erstmals Kürbisse an. Anschließend werden sie, passend zur Unternehmensstrategie „vom Feld auf den Teller“, in der eigenen Ölmühle zu Kürbiskernöl verarbeitet. So ist die Verlängerung der eigenen Wertschöpfungskette – gegebenenfalls auch gemeinsam mit Partnern – eine weitere Möglichkeit, sich weiterzuentwickeln und ein weiterer Bestandteil von moderner Landwirtschaft. Denn Landwirtschaft war selten so spannend und herausfordernd wie heute.

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Journalist

Siegfried Hofreiter

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