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Dr. Thomas Vollmoeller, CEO des beruflichen sozialen Netzwerks XING KARRIERE

Findet heraus, was Eure Leidenschaft ist!

Dr. Thomas Vollmoeller, CEO des beruflichen sozialen Netzwerks XING, rät Berufsanfängern bei Studium und Berufswahl auf ihr Herz zu hören.

"Talent und Motivation sind oft viel wichtiger als der Notendurchschnitt.“

17 Jahre alt, Abiturdurchschnitt von 0,66, Auslandsschuljahr, Sieger bei „Jugend musiziert“ und fünf Praktika, die alle Grundlagen für das Ausbildungsziel vermitteln – für Jugendliche als Berufs- oder Studienbewerber sind die Anforderungen im Vergleich zu früher sehr gestiegen, auch wenn das genannte Beispiel sicherlich überspitzt dargestellt ist. Doch da inzwischen mehr als die Hälfte der Schüler ihre schulische Laufbahn mit dem Abitur abschließt, ist das Abi zur Norm geworden und scheint vielen nicht mehr zu reichen. „Ich kann aber nur davor warnen, den Blick zu sehr auf Noten und Abschlüsse zu verengen und nicht den gesamten Menschen mit seinen Talenten und seiner intrinsischen Motivation anzusehen“, warnt Dr. Thomas Vollmoeller, CEO der deutschsprachigen Onlineplattform XING. „Denn diese ist im Berufsleben aller Erfahrung nach oft viel wichtiger als der Notendurchschnitt.“

Ausbildung, Studium oder duales Studium – Welches der erfolgversprechendste Weg ist, lässt sich nicht pauschal beantworten. Thomas Vollmoeller selbst hat ein duales Studium bei IBM absolviert und im Anschluss in Stuttgart ein „normales“ Studium sowie eine Promotion in St. Gallen angehängt. „Das hat für mich sehr gut gepasst.“ Der Chef des in Hamburg sitzenden Netzwerkes mit mehr als 10 Millionen Mitgliedern im deutschsprachigen Raum rät jedem, Dinge auszuprobieren um herauszufinden, welcher Weg einen weiterbringt. „Dabei können Auslandsaufenthalte und Praktika nach meiner Erfahrung gut helfen. Ich kenne viele junge Menschen, die anschließend den für sie richtigen Weg klar vor Augen hatten. Rein danach zu gehen, was langfristig mehr bringt, mir einen begehrten beruflichen Status verspricht, scheint mir zu kurz gesprungen.“

Denn nur, was man mit Leidenschaft macht, macht man besonders gut. Deshalb empfiehlt der 56-jährige, sich zu fragen, wofür man sich wirklich begeistert. Alles andere ergibt sich dann. Unternehmen bewerten übrigens Auslandspraktikum und soziales Engagement gar nicht so sehr nach den neu erworbenen Fertigkeiten, sondern danach, dass man anschließend reifer, reflektierter und selbst- ständiger zurückkommt.

„Wenn ich sehe, wonach Unternehmen auf XING suchen, sind es Motivation und Reflexion – Menschen, die etwas bewegen möchten! Menschen, die ihre Talente ebenso wie ihre Wissenslücken kennen und demzufolge über ein hohes Selbstbewusstsein verfügen.“ Inzwischen kennen Studenten ihren Marktwert und möchten immer öfter wissen, was ihnen Unternehmen bieten können. So bekam selbst der XING-Chef von einer Absolventin einen Fragenkatalog geschickt, in dem unter anderen nach der Entfernung des nächsten Fitness-Studios gefragt wurde. Der CEO, dessen Unternehmen die 100 Millionen-Umsatz-Marke überschritten hat, lächelte und beantwortete alle zehn Fragen schriftlich.„Das zeigt ganz schön: Bei Top-Kandidaten müssen sich die Unternehmen schon lange beim Kandidaten bewerben und nicht umgekehrt.“

Viele Personalentscheider betrachten stromlinienförmige Lebensläufe zunehmend mit Skepsis und akzeptieren nicht zuletzt auch wegen des aktuellen Fachkräftemangels in vielen Branchen bunte Lebensläufe, was früher undenkbar gewesen wäre. Dabei kommen Teams mit Menschen sehr unterschiedlicher Begabungen, Talente und Erfahrungen oft zu viel besseren Resultaten als ganz homogen zusammengesetzte Teams. Trotzdem wird es auch für die Unternehmer immer wichtiger, innovativ und schnell zu sein und die richtigen Spitzentalente zu finden – die vom Chef gecoacht und motiviert werden, anstatt von oben herab befehligt.

Doch wie bewirbt man sich am besten beim Unternehmen seiner Wahl? „Social Media Recruiting Kanäle haben inzwischen althergebrachten Methoden wie traditionellen Online-Stellenbörsen den Rang abgelaufen“, beschreibt der Chef von knapp 800 Mitarbeitern die Tendenz. Laut einer 2015 von Kienbaum veröffentlichten Studie setzen 96 Prozent der Befragten berufliche Online-Netzwerke wie XING sowohl in Rekrutierung als auch zum Employer Branding ein. „Wir sind die Plattform in Deutschland, von der jeder Personaler sagt, es sei DIE Plattform um Talente zu finden. Die Nummer eins mit den meisten und am besten gepflegten Profilen.“

Bei der Erstellung seines Profils sollte man etwas Zeit auf ein gutes Foto und einen aussagekräftigen Lebenslauf verwenden, denn dies ist die digitale Visitenkarte, mit der man von Headhuntern und Personalern gefunden wird. Außerdem werden allen Mitgliedern auf Basis ihrer Profilangaben Stellen vorgeschlagen, die zu ihnen passen. „Geben Sie sich darüber hinaus Mühe, ihre Persönlichkeit auch jenseits des reinen Lebenslaufs auszudrücken, etwa im Portfolio“, rät der vielbeschäftigte Vollmoeller Berufsanfängern. „Denn wie gesagt: Das ist für viele Unternehmen ein wichtiger Entscheidungsfaktor.“

Fakten

Fakten

Geboren 1960, duales Studium bei IBM, Austauschjahr an der University of California, Studium in Stuttgart und Promotion in International Management an der Hochschule St. Gallen.

Seit 2012 CEO des deutschen beruflichen Online-Netzwerkes XING, was übrigens auf Chinesisch „es funktioniert“ bedeutet und auf Englisch als Abkürzung für „Crossing“ steht, der Begegnung von Geschäftskontakten.

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Journalist

Katja Deutsch

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