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Karriere ist auch im Studium möglich

In Deutschland gibt es doppelt so viele Studenten wie Auszubildende. Bessere Verdienstmöglichkeiten muss ein Studium nicht mehr unbedingt bringen. 

Deutschland galt immer als Land der Dichter und Denker. Wenn man sich die Zahl der Studenten im Vergleich zu den jungen Menschen, die eine Berufsausbildung absolvieren, anschaut, mag man zu dem Schluss kommen, dass dieser Spruch niemals so wahr war wie heute. Denn den etwa 2,85 Millionen Studenten, die im aktuellen Wintersemester 2017/18 an Deutschlands Hochschulen immatrikuliert sind, standen im vergangenen Jahr gerade einmal noch 1,32 Millionen Auszubildende gegenüber. Und die Schere scheint weiter auseinanderzutrifften. Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Aufgrund des demographischen Wandels verlassen immer weniger junge Leute die Schule – von diesen aber gehen immer mehr auf die Universität, weil sie sich daurch bessere Karrierechancen erhoffen.

Während die OECD noch 2015 kritisierte, dass zu wenig junge Deutsche studierten, warnen manche Experten inzwischen vor einer Überakademisierung und fordern ein Umdenken. Tatsächlich gibt es auch aus Sicht junger Menschen, die sich entscheiden müssen, welchen Weg sie gehen wollen, Punkte, die für eine berufliche Ausbildung sprechen. Zunächst einmal: Während die Wirtschaft händerringend ausreichend qualifizierte Auszubildende sucht, drängeln sich in den Vorlesungsälen und Seminarräumen oftmals die Studenten in qualvoller Enge. Ein Auszubildender bekommt ein – wenn auch niedriges – Gehalt, während Studenten häufig entweder nach dem Studium einen BaFöG-Schuldenberg abbauen oder sich während des Studiums durch Jobs etwas dazu verdienen müssen. Das aber zieht nicht selten das Studium zusätzlich in die Länge. 

Demgegenüber steht die Hoffnung, im Berufsleben ein höheres Gehalt zu bekommen. Für die Klassiker wie Medizin oder Zahnmedizin trifft das zweiflellos zu, ebenso für Absolventen von IT-Studiengängen. Und auch ein Jura- oder BWL-Studium kann sich später auf dem Konto positiv auswirken. Ob aber jeder Gesteswissenschaftler oder Architekt tatsächlich bessere Verdienstchancen hat, als ein Handwerksmeister ist doch sehr fraglich. Klar aber auch, dass viele Berufe, für die kein Studium benötigt wird, später schlechter bezahlt werden. Nur: Ein Selbstläufer ist das Studium nicht, und man sollte sich genau überlegen, ob man wirklich zur Uni gehen muss und auch, ob man eigentlich die für ein Studium notwendigen Fähigkeiten mitbringt. Vielleicht liegen die eigenen Stärken ja doch ganz woanders.

Es bleibt aber noch eine andere Möglichkeit: Studium und Berufsausbildung zu kombinieren. Dafür  kann man Kurse an einer Fernuni belegen oder eine Hochschule wie die FOM besuchen und auf diese Weise eine praktische und eine akademische Ausbildung gleichzeitig absolvieren. Der Vorteil liegt auf der Hand: Man ist schlicht doppelt so schnell. Allerdings sollte man die doppelte Belastung nicht unterschätzen – viel freie Zeit für Hobby und Freunde bleibt nicht.

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Journalist

Armin Fuhrer

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