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WENN HEUTE EIN TRAKTOR IM FRÜHJAHR PRÄZISE SEINE PFLUGREIHEN ZIEHT UND DIE SAAT AUSBRINGT, DANN HAT DER FAHRER SEINE HÄNDE HÖCHSTENS NOCH AM JOYSTICK.

Nachhaltige Landwirtschaft dank Informationstechnologie

Der Wandel in der landwirtschaftlichen Produktion hat andere hochtechnisierte Wirtschaftszweige wie die Automobilindustrie längst überholt.

Der erste selbstfahrende Mähdrescher wurde in Europa bereits 1951 vorgestellt. Mit dem Agri-Robot stellte 1964 der einstige Traktorenbauer Eicher einen Pflugmaschinen-Prototyp vor, der ohne Fahrer selbstständig einen Acker pflügen konnte. Und lange bevor die ersten Navigationsgeräte für Autos auf den Markt kamen, setzte die Landwirtschaft bereits Anfang der 1990er Jahre auf Satellitenortung.

Wenn heute ein Traktor im Frühjahr präzise seine Pflugreihen zieht und die Saat ausbringt, wenn im Spätsommer die Mähdrescher ihre Bahnen ziehen, dann hat der Fahrer seine Hände höchstens noch am Joystick. Die Maschine fährt nämlich autonom. Oft gleich mehrere Monitore, die moderne Traktor- und Mähdrescherkabinen wie Flugzeugcockpits erscheinen lassen, liefern in Echtzeit genaue Daten darüber, wie der Ackerboden beschaffen ist, ob die richtige Menge an Saatgut für genau diesen Boden in die Furchen fällt, oder ob der Mähdrescher automatisch den nächsten Lkw zum Überladen des Ernteguts angefordert hat.

Die äußerst präzise Steuerung ist das Ergebnis mehrerer digitaler und informationstechnischer Komponenten. Da sind zum einen die automatischen Lenksysteme, die das globale Navigationssatelliten-System nutzen. Der Traktor berechnet daraus die aktuelle Position und bestimmt die Fahrspur. Werden zusätzlich die festen Bodenstationen der so genannten Real Time Kinematik RTK genutzt, liegt die Genauigkeit im Zentimeterbereich, so dass sich die Lenksysteme sogar für die Einzelkornsaat eignen. So bleibt kein Quadratzentimeter des Bodens ungenutzt. Das erleichtert später nicht nur die Ernte und die gesamte Bodenbearbeitung, sondern die Fahrspuren lassen sich auch abspeichern, im Folgejahr wieder abrufen oder auch per USB-Stick in andere Maschinen einlesen. All das entlastet nicht nur die Arbeit der Fahrer, sondern erhöht auch die Qualität der Arbeit.

Durch eingebaute Sensoren in Verbindung mit Karten, auf denen die Bodenqualität verzeichnet ist, kann der Traktor die Menge an Düngemitteln punktgenau dosieren. Denn ein Acker gleicht hinsichtlich der Bodenstruktur, der Feuchtigkeit oder der vorhandenen Nährstoffe eher einem Mosaik als einer homogenen Landmasse. Der sparsame Umgang mit Dünger kommt nicht nur der Umwelt zugute, sondern entlastet auch den bäuerlichen Geldbeutel.

Das Nonplusultra dieser landwirtschaftlichen Entwicklung ist jedoch das so genannte Smart Farming, das weit über die reine Maschinensteuerung hinaus geht. Denn die Traktoren können eine Vielzahl von Daten erfassen und alle erledigten Arbeiten dokumentieren. Damit lassen sich anfallende Tätigkeiten einschließlich der Maschinenwartung optimal planen, betriebswirtschaftliche Daten und Ernteprognosen gewinnen.

Auch wenn sich die Gesamternteerträge in hoch entwickelten Landwirtschaften kaum noch steigern lassen, so helfen Digitalisierung und Vernetzung, die Nahrungsmittel nachhaltiger und schonender zu produzieren und gleichzeitig Ressourcen und Umwelt zu schonen.

Fakten

Eine Umfrage bei Landwirten zu den neuen Informationstechnologien, durchgeführt vom digitalen Branchenverband Bitkom 2015, kommt zu folgendem Ergebnis:

– Jeder fünfte Betrieb nutzt Informationstechnologien.

– Jeder elfte Betrieb plant den Einsatz.

– 21 Prozent haben noch keine konkreten Pläne.

– Für rund die Hälfte sind Informationstechnologien derzeit kein Thema.



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