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Am Medical Valley werden Projekte mit hoher gesellschaftlicher Relevanz realisiert. ENTWICKLUNG

Im Medical Valley verschmelzen Medizin und Technik

Im Medical Valley in der Europäischen Metropolregion Nürnberg arbeiten über 190 Unternehmen an medizinischen Möglichkeiten der Zukunft.

Um Innovationen im Gesundheitsbereich zu entwickeln, bedarf es der Kooperation von klinischer Forschung, Gesundheitsversorgung und Industrie. Vor zehn Jahren haben deshalb die Stadt Erlangen und die Friedrich-Ale-
xander-Universität zusammen mit Siemens das Medical Valley gegründet. „Im Laufe der Zeit haben wir ganz stark daran gearbeitet, die Fähigkeit zur effektiven Zusammenarbeit zu verbessern“, sagt Prof. Dr. Erich R. Reinhardt, Vorstandsvorsitzender des Medical Valley EMN e. V. „Das ist heute unser Markenzeichen: Viele transdisziplinäre Fragestellungen führen aufgrund des guten gegenseitigen Verständnisses und der hohen Kompetenzen in den verschiedenen Disziplinen zu innovativen Lösungen.“


Prof. Dr. Erich R. Reinhardt, Vorstandsvorsitzender des Medical Valley EMN e. V.

Nur solche Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln, die Effektivität und Effizienz in der Prävention, Diagnose, Therapie und Rehabilitation klar steigern und die die Strukturen im Gesundheitsbereich optimieren – das ist das erklärte Ziel der unermüdlich forschenden Mitglieder. In dieser Netzwerkorganisation kommen alle Akteure zusammen und arbeiten daran, die fränkische Metropole fit zu machen für eine optimale Gesundheitsversorgung.

Am Medical Valley werden Projekte mit hoher gesellschaftlicher Relevanz realisiert. Unter anderem steht die Entwicklung eines dezidierten Computertomographen zur Untersuchung der weiblichen Brust kurz vor der klinischen Erprobung. Damit ist es möglich, die Qualität der Diagnose sowie Früherkennung zu verbessern und eine höhere Spezifität zu erreichen. Die Früherkennung erhöht signifikant die Überlebenswahrscheinlichkeit der betroffenen Frauen.

Ein weiteres Projekt beschäftigt sich mit der Sturzgefahr älterer Menschen. Stürze führen bekanntermaßen zu schweren Verletzungen, schränken Menschen sehr stark in ihrer Lebensqualität ein und verursachen zudem hohe Kosten. Im Medical Valley wurde nun eine Methode zur Früherkennung der Sturzwahrscheinlichkeit ermittelt, bei der nahtlos in die Schuhe eingesetzte Sensoren Veränderungen in der Gangart erkennen und diese melden. Durch präventive Maßnahmen könnte sich die Hälfte aller Stürze vermeiden lassen, schätzt Prof. Dr. Reinhardt, was vielen alten Menschen letztendlich den Weg ins Pflegeheim ersparen könnte.

Prothetik in Bestform bei Heinrich Popow

Forschungen in der Precision Medicine gelten als weitere Kernkompetenz der Netzwerkorganisation. Mittels Big Data lassen sich sehr große Datenbanken anlegen, die vertikale Datensätze (der Verlauf vom Gesunden zum Kranken) und horizontale Datensätze (die die biologische Varianz widerspiegeln), aufzeigen. Anhand proteomischer Daten lässt sich schließlich die Wirksamkeit von Medikamenten vorhersagen. „Das ist eine Veranschaulichung der großen Möglichkeiten, über Big-Data-Medizin in der Precision Medicine voranzukommen“, schwärmt der Vorstandsvorsitzende.

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Journalist

Katja Deutsch

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