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Historisches Gemäuer – moderne Technik

Ein Mini-Blockheizkraftwerk sorgt in einem denkmalgeschützten Gebäudeensemble im bayerischen Sommerach für reibungslose Versorgung mit Strom und Wärme.

„Eine lange Laufzeit erhöht die Wirtschaftlichkeit des Systems.“

Barocke Fassade, ein großes Hoftor, innen stuckverzierte Decken, alte Wandgemälde, Eichendielen: Den Winzerhof mitten im malerischen Dorf am Main betrachteten nicht nur Denkmalschützer als erhaltenswert. Christine Götz und Rainer Fuchs fanden hier vor wenigen Jahren das Zuhause, das sie sich gewünscht hatten. Die alte Bausubstanz machte den Weg zu gemütlichen Abenden in den eigenen vier – historischen – Wänden jedoch durchaus zu einer Herausforderung. Der Wunsch, das Gebäude komfortabel herzurichten und es entsprechend moderner Standards auch unter Umweltaspekten zu verändern, musste und sollte in Einklang mit der Erhaltung der denkmalgeschützten Architektur gebracht werden.

„Wir konnten das Gebäude nicht so dämmen wie ein neueres“, berichtet Rainer Fuchs. Die möglichen Maßnahmen waren überschaubar: „In unserem Winzerhof, ebenso wie im angrenzenden der Familie Camerer, wurden Fenster getauscht und Laibungen gedämmt.“ Die obere Geschossdecke des Nachbarhofes erhielt eine Dämmung – doch massive Veränderungen an der Gebäudehülle der historischen Bauten waren ausgeschlossen. „Der Wärmebedarf ist entsprechend hoch“, erläutert Fuchs. Folglich richteten die Bauherren das Augenmerk auf Lösungen, mit denen sich dieser ebenso wirtschaftlich wie umweltfreundlich decken ließ. Für den Bauingenieur Fuchs erwies sich ein Blockheizkraftwerk als optimale Lösung: Nach dem Prinzip der Kraft-Wärme- Kopplung (KWK) erzeugt es Strom und Wärme zugleich und wird zudem von beiden Nachbarhöfen genutzt. Die dadurch bedingte längere Laufzeit erhöht die Wirtschaftlichkeit des Systems.

Die installierte Anlage produziert über einen gasbetriebenen Generator Strom; entstehende Abwärme verpufft nicht ungenutzt, sondern wird als Heizenergie eingesetzt. Durch die gekoppelte Erzeugung von Wärme und Strom in einem Prozess verringert sich die benötigte Brennstoffmenge und damit der Ausstoß an klimaschädlichem CO2. Der Wärmebedarf der beiden Winzerhöfe könne zu hundert Prozent über das Mini-Blockheizkraftwerk gedeckt werden, der Strombedarf zu etwa 80 bis 90 Prozent, berichtet Fuchs.

Damit sind die beiden Paare in Sachen Heizung und Strom nicht nur weitgehend unabhängig von externen Versorgern, sondern haben zudem die Möglichkeit, nicht genutzte Energie ins öffentliche Netz auszuspeisen. Für Betreiber kleinerer Anlagen lohnt sich das Verfahren auch nach der jüngsten Novelle des KWK-Gesetzes doppelt: Sie erhalten für einen Förderzeitraum von bis zu 60.000 Vollbenutzungsstunden Zuschläge für jede erzeugte Kilowattstunde, ob selbst genutzt oder ausgespeist. Eine sinnvolle Lösung also auch für kleinere Eigenheime: Mit den überschaubaren Maßen – manche Geräte beanspruchen kaum mehr Platz als eine große Waschmaschine – eignet sich das kleine Kraftwerk auch für jene Nutzer, denen nicht wie im Fall der Sommeracher Winzerhöfe eine ehemalige Schnapsbrennerei auf dem Hof zur Verfügung steht.

Fakten

Fakten

Ein Mini-Blockheizkraftwerk kann von mehreren Parteien genutzt werden, es bietet hohe Energieeffizienz durch Kraft-Wärme-Kopplung und eine 100-prozentige Deckung des Wärmebedarfs. Es erfordert keine massiven Umbauten und hat auch nur geringen Platzbedarf.

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Journalist

Ulrike Christoforidis

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