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EXPERTEN EMPFEHLEN, VIER MAL AM TAG STOSSWEISE BEI WEIT GEÖFFNETEN FENSTERN ZU LÜFTEN.

Frische Luft gegen die schädlichen Sporen

Ein Großteil des modernen Alltags findet hinter geschlossenen Türen statt: Gesunde Raumluft ist daher besonders wichtig für die Gesundheit.

Gerade in der kalten Jahreszeit zeigen sich in vielen Wohnungen die Spuren „falschen“ Lüftens: An Außenwänden, in Ecken, hinter Schränken und in kühlen oder feuchten Räumen wie Schlafzimmer oder Bad machen sich dunkle Flecken breit. Es schimmelt. Dass die unerwünschten Pilze im Winter besonders gedeihen, hat gleich mehrere Gründe. Zum einen lüften viele Menschen seltener und kürzer – um die Minusgrade nicht ins gemütliche Wohnzimmer zu lassen. Zum anderen dringt die Kälte selbst durch gut isolierte Wände und kühlt diese auch innen ab. Feuchtigkeit aus der warmen Raumluft kondensiert an den kälteren Flächen – und bietet dem Schimmel auf organischen Baumaterialien wie Tapete oder Holz einen perfekten Nährboden.

Auch wenn Schimmelpilze in der Natur vorkommen und uns draußen überall begegnen, ist der Schimmelbefall in der geschlossenen Wohnung potentiell gesundheitsschädlich: Die Sporen verteilen sich über die Raumluft und können Atemwegserkrankungen, Allergien, Haut- und Augenreizungen verursachen. Vor allem für Kinder und Menschen mit einem geschwächten Immunsystem sind sie in vielen Fällen eine gesundheitliche Gefahr.

Viele Gebäude sind – um Heiz- energie einzusparen, Ressourcen und Umwelt zu schonen – in jüngeren Jahren unter energetischen Aspekten saniert und gedämmt worden. Ein permanenter Luftaustausch, der früher (unbeabsichtigt) durch undichte Fenster und Türen gegeben war, entfällt. Umso wichtiger ist es, Wohnräume aktiv und kontrolliert zu lüften, sauerstoffreiche Luft zu- und verbrauchte bzw. belastete Luft ebenso wie die schimmelfördernde Feuchtigkeit abzuführen. Ein Großteil der Luftfeuchtigkeit in einer Wohnung entsteht beim Duschen oder Kochen, doch auch die Bewohner produzieren natürlich „Wasserdampf“, selbst im Schlaf. Als gesund gilt ein Feuchtigkeitsanteil an der Raumluft von etwa 50 Prozent bei 20 Grad Raumtemperatur. Steigt er auf mehr als 65 Prozent, findet der Schimmel optimale Bedingungen.

Experten empfehlen, vier Mal am Tag stoßweise bei weit geöffneten Fenstern zu lüften. So gelangt ausreichend frische Luft in die Wohnung und der Wärmeverlust während der Heizperiode bleibt überschaubar. Das Ganze erfordert eine gewisse Disziplin – und zudem auch regelmäßige Anwesenheit, um die Intervalle sinnvoll einzuhalten.

Das Fenster dauerhaft „auf Kipp“ zu halten, ist jedoch keine Lösung: Der leichte Luftzug kühlt in erster Linie die fensternahen Wände weiter aus – und begünstigt den Schimmel unter Umständen noch. Hält sich niemand in der Wohnung auf, macht das leicht geöffnete Fenster Einbrechern zudem die Arbeit leicht. Eine Alternative sind spezielle Fenster mit Lüftungssystemen, die auch im vollständig geschlossenen Zustand für „frischen Wind“ in Wohnräumen sorgen, Luft zuführen und die verbrauchte Luft nach draußen transportieren. Durch integrierte Wärmetauscher kann der Energieverlust minimiert werden: Ein Teil der Wärme aus der Abluft wird genutzt, um die frische Luft aufzuheizen, bevor sie ins Zimmer strömt. Feuchtigkeit wird kontinuierlich abtransportiert – und dem Schimmel wird so der Nährboden entzogen.

Fakten

• 1,5 Liter Feuchtigkeit transpiriert der Mensch im Durchschnitt täglich;

• 2600 Gramm Wasser verdampft beim Duschen stündlich;

• Bei mehr als 65 Prozent relativer Luftfeuchtigkeit im Raum und 80 Prozent auf Oberflächen kann Schimmel entstehen.

(Quelle: Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit)



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