Weekly News

Die digitale Ernte – Farming 4.0

Immer mehr wird die traditionelle Landwirtschaft zu einem Entwicklungsfeld der Hightech Industrie. Farming 4.0 ist in aller Munde.

Die Sonne scheint hoch über dem Betrieb der Agrargenossenschaft in Hinsdorf, Sachsen-Anhalt. Über 11.000 Hektar Anbaufläche machen die Genossenschaft zu einem der größten Agrarbetriebe in Deutschland. Gigantische Mähdrescher kommen zum Einsatz, um die endlosen Felder mit Weizen und Gerste zu ernten. Im Cockpit seines Mähdreschers wählt der Landwirt die Einstellung „minimaler Kraftstoffeinsatz“. Ab jetzt läuft die Ernte auf dem Weizenfeld fast von alleine.

Hier erprobt die Deutsche Telekom die „digitale Ernte“. Über GPS werden die Mähdrescher zentimetergenau über das Feld gesteuert. Hinter ihnen rollen die Traktoren über das Feld, um den Weizen aufzunehmen und gleich in die Silos zu fahren. Alle Fahrer sind mit Tablets über LTE vernetzt. Der Mähdrescher meldet, wenn sein Kornspeicher voll ist und ruft automatisch den Überladewagen. Der sucht sich via GPS den besten Weg zum Mähdrescher, schont dabei den Boden und die Zeit.

Vom Silo aus wird die Menge und die Qualität der Ernte gleich an die Zentrale des Betriebes weitergeleitet. Satelliten melden neue Wetterdaten, in drei Stunden soll es regnen. Jetzt wird die Ernte mit maximaler Geschwindigkeit gefahren, um noch vor dem Regen den Weizen einzufahren.

Das, was die Telekom im Großen erprobte, setzt allerdings schnelle Internetverbindungen für den erheblichen Datenaustausch voraus. Etwas, was im ländlichen Raum aber oft fehlt. Günther Oettinger, EU Kommissar für die digitale Wirtschaft, fordert einen schnellen Ausbau der Netze. „Schlaglöcher sind in ländlichen Regionen eher zu akzeptieren als Funklöcher“, so Oettinger auf der Tagung „Farm&Food 4.0“ in Berlin.

Das Land Niedersachen hat reagiert und stellt Millionen aus dem Europäischen Förderfond (ELER) für den Ausbau der Netze zur Verfügung. 50 Millionen Euro für das schnelle Internet auf dem Land. „Die Menschen in der Fläche dürfen nicht abgehängt werden. Schnelle Datenverbindungen sind heute als Daseinsvorsorge immens wichtig“, so Christian Meyer, Landwirtschaftsminister in Niedersachsen.

„Farming 4.0“ ist auf dem Vormarsch. Allerdings bislang nur in den großen Betrieben im effektiven Einsatz. Das will der Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt ändern. „Mein Ziel ist es, dass auch die kleinen und mittleren Familienbetriebe den Sprung in die Landwirtschaft 4.0 packen und von den Effizienssteigerungen profitieren.“

Inzwischen hat über den Feldern der Genossenschaft heftiger Regen eingesetzt. Doch die Landwirte sind zufrieden. Dank Farming 4.0 und der Vernetzung von Maschine und Mensch konnte das 20 Hektar Feld noch rechtzeitig abgeerntet werden. Die 500.000 Euro teuren Mähdrescher stehen sicher in den großen Hallen und warten auf ihren nächsten Einsatz. Farming 4.0 wird die Landwirtschaft weiter revolutionieren.

Fakten

Fakten

Schnelles Internet, neue Techniken und vernetzte Bauern. Die Landwirtschaft in Deutschland ist auf dem Weg in die Zukunft. Sie setzen schon jetzt um, was unter dem Stichwort Industrie 4.0 als vierte industrielle Revolution die deutsche Wirtschaft beflügeln soll.

Teile diesen Artikel

Journalist

Jörg Wernien

Weitere Artikel