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Effizienz durch modernste Technologien – Dr. Olaf Turß

Intelligente Maschinen in der Landwirtschaft: Dr. Olaf Turß, Geschäftsführer der deutschen Vertriebs- und Marketingeinheit von John Deere, über aktuelle Entwicklungen.

„Ein weiterer wichtiger Entwicklungsbereich ist die Optimierung der Maschinenleistung.“

Als John Deere 1837 den ersten Pflug aus poliertem Stahl schmiedete, mit dem die Farmer eine scharfe „Furche in den klebrigen Lehmboden des mittleren Westens der USA ziehen konnten“, hatte Präzision noch eine andere Bedeutung als in der Landwirtschaft des 21. Jahrhunderts: Was kann der Einsatz von Hightech heute bewirken? Welche Vorteile hat dies für den einzelnen Landwirt, aber auch aus ökologischer und ökonomischer Sicht?

Im Zusammenwirken mit Lösungen der Informations- und Datenübertragungstechnologie kann der Einsatz modernster Technik Landwirten und Lohnunternehmern vor allem drei Vorteile bieten: Die Leistungsfähigkeit der einzelnen Maschine besser ausschöpfen, ihren Einsatz – insbesondere auch im Maschinenverbund – effizienter planbar machen und den Betriebsmittelaufwand pro Hektar deutlich senken. In der Landtechnik sind wir da dem Ansatz von ‚Industrie 4.0‘ schon um einige Nasenlängen voraus. Die Vernetzung von Partnern über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg ermöglicht deutliche Einsparungen bei Betriebsmitteln und der Arbeitsorganisation.

Was können Maschinen besser und präziser als der Mensch? Und umgekehrt?

Dank ihrer Sensorik können Maschinen eine Vielzahl von Daten erfassen und aufzeichnen. Unermüdlich folgen sie den von Satelliten übertragenen Signalen und erledigen durch Automatisierung eine Reihe von Routineaufgaben – mit einer Präzision von wenigen Zentimetern, ohne Konzentrationsverlust und mit einer Ausdauer, die eine Maschine eben zur Maschine macht. Gleichzeitig dokumentiert sie alle wichtigen Arbeitsgänge, vom Verbrauch an Betriebsmitteln bis hin zur Aufzeichnung von Ernteergebnissen. Dabei werden nicht nur Mengen erfasst, sondern auch weitere Daten wie z. B. Feuchtigkeit oder Inhaltsstoffe des Erntegutes. Damit entlastet die Technik den Fahrer, nimmt ihm eine Vielzahl von Handgriffen ab und überlässt ihm vor allem Aufgaben der Systemüberwachung. Der Mensch – die Landwirte und Lohnunternehmen – trifft weiterhin alle für den Betrieb relevanten Entscheidungen.

In welchen Bereichen setzen Sie als Unternehmen im Hinblick auf den Einsatz innovativer Technologien besondere Schwerpunkte?

Im Rahmen unserer John Deere FarmSight-Strategie setzen wir auf eine „offene Systemarchitektur“, die den Teilnehmern untereinander einen Datenaustausch ermöglicht. Gleichzeitig sollen aber auch Nutzer anderer Maschinenmarken oder IT-Lösungen die Möglichkeiten haben, ihre jeweiligen Daten in unsere Systeme einzuspeisen und zu verarbeiten.

Ein weiterer wichtiger Entwicklungsbereich ist die Optimierung der Maschinenleistung. Dabei geht es keineswegs nur um mehr PS oder die Maschinengröße, sondern vor allem um bessere Effizienz, geringeren Kraftstoffverbrauch und die Entlastung des Fahrers von ermüdenden Routinetätigkeiten durch Automatisierung.

Bereits 1966 stellte John Deere als Vorreiter im Bereich Produktsicherheit Traktoren mit Überschlagseinrichtungen her. Welche Möglichkeiten, den Betrieb von Landmaschinen sicherer zu machen, bieten die neuen Technologien?

Schon heute bieten wir Softwarepakete an, die den Standort einer Maschine ermitteln und aufzeichnen können oder eventuell auftretende Fehler an sicherheitsrelevanten Systemen frühzeitig melden. Ebenso kann z. B. der Fahrer eines Mähdreschers beim Entleeren des Korntanks während der Fahrt die Heranführung eines Traktors mit Anhänger übernehmen, um ein sicheres und gleichmäßiges ‚Abtanken‘ zu ermöglichen – der Traktor wird in dieser Zeit vom Mähdrescher automatisch geführt.

In den 178 Jahren seit der Firmengründung hat sich auf dem Acker eine enorme Entwicklung vollzogen. Welchen besonderen Herausforderungen stehen Landwirte Ihres Erachtens in den kommenden Jahren gegenüber?

Zunächst sollten sich alle Marktteilnehmer immer wieder einmal die positiven Perspektiven und Megatrends ihrer Branche vor Augen führen, d. h. den langfristig wachsenden Bedarf an qualitativ hochwertigen Nahrungs- und Futtermitteln und an erneuerbarer Energie.

Gleichzeitig müssen wir alle lernen, mit kurz- und mittelfristigen Ausschlägen der Erzeugerpreise zu leben. Diese fallen angesichts gewachsener Weltmarkttransparenz heute deutlich stärker aus als früher, seien sie nun durch den Klimawandel bedingt oder durch Konjunkturschwankungen. Geraten die Erzeugerpreise unter Druck, ist man gut beraten, für die Anbauplanung, den Betriebsmitteleinsatz, den Maschinenpark sowie für die Ernte, Logistik und Lagerung IT-Instrumente an der Hand zu haben, die agronomische Entscheidungen unterstützen bzw. erleichtern.

Fakten

Fakten

• 1837 schmiedet John Deere, Hufschmied und Erfinder, in Grand Detour/Illinois einen Pflug aus poliertem Stahl und legt damit den Grundstein für das Unternehmen

• Heute ist es mit Niederlassungen in weltweit über 30 Ländern vertreten

• In Deutschland sind ca. 7000 Mitarbeitern an sechs Standorten tätig

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Journalist

Ulrike Christoforidis

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