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Die „Umweltschützer“ im Management

Seit über 30 Jahren setzt sich der Verein B.A.U.M. für ein Umdenken bei den Unternehmen ein. Umweltschutz und Nachhaltigkeit sind ihre Themen.


„Wir brauchen Veränderungen in den Köpfen für eine lebenswerte Zukunft“

Was haben Alnatura, Airbus und AIDA Cruises gemeinsam? Sie alle sind Mitglieder in einem einzigartigen Netzwerk. Seit 1984 verbindet B.A.U.M. (Bundesdeutscher Arbeitskreis für Umweltbewusstes Management e.V.) viele große und kleine Unternehmen. Hier diskutieren sie priorisiert ökonomische, ökologische und soziale Fragen und verfolgen die Prinzipien der Nachhaltigkeit in den Unternehmen.

Mit weit über 500 Mitgliedern ist B.A.U.M. eines der größten Netzwerke seiner Art in Europa. Die Vision, Unternehmen zu einem nachhaltigen Denken und Handeln zu sensibilisieren und von den Vorteilen nachhaltigen Wirtschaftens zu überzeugen, ist das große Anliegen von Martin Oldeland. Der Diplomkaufmann ist Mitglied des Vorstands bei B.A.U.M. Wie hat sich die Arbeit von B.A.U.M. in den letzten 30 Jahren verändert? „Ursprünglich mit umweltorientiertem Management gestartet, hat sich B.A.U.M. bereits seit der Rio-Konferenz 1992 mit der gesamten Themenbreite nachhaltigen Wirtschaftens beschäftigt. Es geht um eine ganzheitliche Betrachtung von ökologischen, sozialen und ökonomischen Aspekten. Erst dann können wir von einer nachhaltigen Entwicklung sprechen. Eine unserer Aufgaben ist daher, die guten Beispiele nachhaltigen Wirtschaftens aus der Praxis zu zeigen,“ so Martin Oldeland im Interview.

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Längst nicht alle Unternehmen haben Nachhaltigkeit als Wettbewerbs- und Erfolgsfaktor für sich entdeckt. Nachhaltigkeit bedeutet auch Transparenz und Durchlässigkeit, doch gerade davor scheuen sich viele Unternehmen immer noch. Doch Martin Oldeland sieht auch sehr positive Ansätze. “Viele Unternehmen engagieren sich schon, andere müssen noch aktiv werden, weil eine Berichtspflicht eingeführt wurde, und wieder andere reagieren, weil ihre großen Kunden genau das verlangen. Gerade im Mittelstand ist aber häufig die Überzeugung der Inhaber, dass Nachhaltigkeit für den Erfolg und die Zukunftssicherung des Unternehmens mitentscheidend ist. Das Thema Nachhaltigkeit ist nicht mehr wegzudiskutieren. Nachhaltigkeit ist keine Modeerscheinung, sondern die Basis für langfristig erfolgreiches Wirtschaften von Unternehmen. Das ist kein Add-on, sondern integraler Teil des täglichen Business für den Erfolg der Unternehmen in der Zukunft.“

Die Verbraucher, die Politik und die Medien fordern die Unternehmen, verlangen ein Umdenken in den Chefetagen hin zu mehr Transparenz und Offenheit, hin zu einem Verhalten, das auch ökologische und soziale Belange berücksichtigt. So verzichtet der Stadtstaat Hamburg seit Januar 2016 auf Kaffee aus Kapseln und in den Behördenkantinen setzt man auf Mehrwegbecher für den beliebten „Coffee-to-go“. Dazu will der Hamburger Senat ein Pfandsystem etablieren. Elf Cafés machen schon mit, verkaufen Mehrwegbecher für 1,50 Euro – Refill oder es gibt das Pfand zurück. Drei Milliarden Becher werden im Jahr verbraucht – das macht 40.000 Tonnen Müll und 110.000 Tonnen an CO2 Emissionen (Quelle: Deutsche Umwelthilfe).

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„Wenn wir die Klimaziele in Deutschland erreichen wollen, heißt das für die Verbraucher bei den täglichen Entscheidungen im Einkauf, andere Produkte mit einer besseren Nachhaltigkeitsbilanz zu bevorzugen. Die können auch etwas mehr kosten, das muss der Verbraucher in Kauf nehmen. Wir können die Ziele nur erreichen, wenn sich die Unternehmen und die Kunden gemeinsam verändern und bewusster agieren,“ fordert Martin Oldeland.

Das B.A.U.M.-Netzwerk veranstaltet einmal im Jahr eine große Tagung, dieses Jahr vom 17.-18. Mai in Frankfurt. Namhafte Referenten aus Politik, Wirtschaft und Kultur halten Vorträge oder geben Impulsreferate in einzelnen Arbeits-Sessions. Im Rahmen der Tagung werden auch die B.A.U.M.-Umweltpreise vergeben. Hier werden bewusst engagierte Einzelpersonen ausgezeichnet, „Macher“ in kleinen und großen Unternehmen und Institutionen, die sich für ein nachhaltiges Management einsetzen und es auch operativ verantworten.

„Der Preis besteht seit vielen Jahren und hat ein großes Renommee. Wir haben herausragende Preisträger, die für ihre Unternehmen oder Institutionen eine ganze Menge bewirkt haben. Es geht nicht um Produkte, sondern um Personen, die täglich für das Thema Nachhaltigkeit und Umweltschutz leben und arbeiten,“ betont B.A.U.M.-Vorstandsmitglied Martin Oldeland.

„Ich hoffe sehr, dass wir es schaffen die Veränderungen, die wir brauchen, in den Köpfen hervorzurufen, um insgesamt als Gesellschaft eine lebenswerte Zukunft zu haben. Wir brauchen intakte Ökosysteme zum Atmen und für unsere Nahrung. Ich setze da sehr auf die Jugend. Gemeinsam können wir das schaffen diese Probleme zu bewältigen, damit wir unseren Enkeln mal eine fortschrittlichere Welt übergeben können,“ blickt Martin Oldeland optimistisch in die Zukunft. B.A.U.M. wird alles daransetzen, dass es so kommt.    

Fakten

Fakten

Unter #ErfolgsfaktorNachhaltigkeit präsentiert die B.A.U.M.-Jahrestagung 2017 vom 17.5. - 18.5.2017 in Frankfurt Ansätze und Beispiele für konkrete Nachhaltigkeitslösungen und deren Umsetzung in Unternehmen. Denn Nachhaltigkeit mindert Kosten und Risiken, verschafft Vorteile im Wettbewerb um Kunden und Mitarbeiter und sichert so die Zukunft von Unternehmen.

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Journalist

Jörg Wernien

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