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Bauernschlau 4.0 – Internet, Computer und die Landwirtschaft

In den letzten Monaten war oft die Rede von der vierten industriellen Revolution. Doch die Entwicklung beschränkt sich nicht nur auf die Industrie. Auch der schlaue Bauer ist heute mehr Software- und Computerexperte als Landwirt.

„Die Landwirtschaft wird komplexer, die Auflagen der EU steigen und die Nachweispflicht wird immer schwieriger.“

Statt im Märzen die Rösslein anzuspannen, schaltet der moderne Landwirt seinen Computer ein, lässt sich das Mikrowetter vorhersagen, überprüft per Sensordaten das Wachstum der Pflanzen, während die Roboter auf dem Feld das Unkraut zupfen. Das Ziel von Precision Farming – die Erträge sollen gesteigert und dabei Aufwand und Kosten gesenkt und dadurch auch die Umwelt entlastet werden.

Ein großes Thema sind dabei die fliegenden Agrarhelfer, die so genannten Mikrodrohnen. Immer mehr Landwirte setzen diese fliegenden Helfer auf ihren Feldern ein. Sie werden zur Wildrettung in der Mahd (Mähzeit) eingesetzt und können mit der Infrarotkamera ein Boden-, Dünger- und Pflanzenschutz-Monitoring betreiben. Sogar der gezielte Abwurf gegen Schädlinge auf dem Feld ist damit möglich.

Fast jeder fünfte Landwirtschaftsbetrieb nutzt heute schon Precision Farming (Studie des Digitalverbandes Bitkom, 2015). Sensortechnik, Elektronik und Software machen bei Landmaschinen nach Angaben des Vereins Deutscher Ingenieure heute rund 30 Prozent der Wertschöpfung aus. Zum Vergleich: In der Autobranche liegt diese Quote erst bei 10 Prozent.

Wissenschaftler der Firma Bosch entwickeln zurzeit eine Art Roboter für das Feld. „Bonirob“ ist eine selbst fahrende Plattform, auf der unterschiedliche Module eingebaut werden können. „Bonirob“ fährt besonders langsam (5 - 10 cm/s), das schafft kein Traktor. In die vorgesehenen Schächte können diverse unterschiedliche Module für vielseitige Anwendungen eingebaut werden. „Bonirob“ ist komplett vernetzt, hat G-Bit-Ethernet, WLAN, Bluetooth, USB und GPS an Bord. Besonderer Clou – der Roboter kann zur mechanischen Unkrautbekämpfung auf Bio- Höfen eingesetzt werden. Eine Kamera unterscheidet Unkraut und Nutzpflanzen und drückt das Unkraut mit einem Stempel dann in die Erde. Eine Arbeit, die im biologischen Anbau noch mühsam von Hand gemacht werden muss. Die Entwickler hoffen, dass ihr Agrar-Roboter in drei bis vier Jahren auf den Markt kommen kann.

Die Landwirtschaft wird komplexer, die Auflagen der EU steigen und die Nachweispflicht wird immer schwieriger. Mittlerweile gibt es eine Systemsoftwarelösung, die offen für weitere Partner ist, um den Landwirt in der Bewirtschaftung seines Betriebes zu unterstützen. Die Grundsoftware ist kostenlos, weitere Bausteine können dann in einer Art Abo dazu gebucht werden.

Fakt ist: Die weiter rasant fortschreitende Digitalisierung der Landwirtschaft wird ein Umdenken bei vielen Landwirten erfordern. Der moderne Bauer mit dem Laptop im Kuhstall ist keine Utopie mehr, sondern schon jetzt der Alltag.

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Journalist

Jörg Wernien

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