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Die Zahl der Auszubildenden in der Landwirtschaft stieg im Jahr 2015 um 1 % auf 33.800 im Vergleich zum Vorjahr. UMWELT

Bauer sucht Azubi

3.000 – das war die Zahl der nicht besetzten Ausbildungsplätze in der deutschen Landwirtschaft 2013/2014. Auch für dieses Jahr kann der Deutsche Bauern Verband (DBV) nichts Anderes berichten. „Die Zahlen haben sich aber gegen den Trend (weniger Bevölkerungswachstum) nicht verschlechtert“, so Dr. Michael Lohse vom DBV.

Die Ausbildung in den so genannten 14 „grünen Berufen“ ist im Wandel. Berufsschulen mussten wegen Schülermangel geschlossen werden, die Ausbildung der Berufsschullehrer hinkt den Anforderungen hinterher. Vielen Auszubildenden mangelt es an guten Deutsch- und Mathekenntnissen.

Hier will der Deutsche Bauern Verband gegensteuern. „Wir haben Musterausbildungsbetriebe geschaffen, da werden die Deutsch- und Matheschwächen in extra Kursen ausgeglichen. Da schulen wir die jungen Leute selbst und machen sie fit für den Beruf“, so Dr. Michael Lohse.

Das Bild vom Bauern, der mit seiner Familie den Hof bewirtschaftet, entspricht zwar noch zu 90 Prozent der Realität. Doch die zehn Prozent der Betriebe, die als GmbH, Personengesellschaft, Genossenschaft oder AG geführt werden, bewirtschaften zusammen mittlerweile über ein Drittel der landwirtschaftlich genutzten Fläche in Deutschland. Der demographische Wandel führt dazu, wie auch in anderen Branchen, dass dringend benötigte Fachkräfte knapper werden. So haben viele Betriebe bereits heute große Mühe, gut ausgebildete Fachkräfte zu bekommen. Betrachtet man die Altersstruktur der in der Landwirtschaft tätigen, sind bereits heute 32 Prozent älter als 55 Jahre und lediglich knapp 12 Prozent der Arbeitskräfte zwischen 25 und 35 Jahre alt (Quelle: Stat. Bundesamt).

Doch nicht nur strukturelle und demografische Veränderungen führen zum Fachkräftemangel. Die Berufe in der Landwirtschaft haben mit einem schlechten Image zu kämpfen. Unregelmäßige und lange Arbeitszeiten, harte körperliche Arbeit bei Niedriglöhnen sind nicht gerade attraktiv. Werner Schwarz, Vizepräsident des Deutschen Bauernverbandes: „Heute muss der Ausbilder um die Auszubildenden werben. Das heißt, im Zweifelsfall muss der Einzelbetrieb sich bewerben oder der Berufsstand muss Werbung für die Branche machen, damit möglichst viele junge Menschen auch von außen reinkommen, die Interesse an den grünen Berufen haben.“

Zwar stieg die Zahl der Auszubildenden in der Landwirtschaft im Jahr 2015 um 1 % auf 33.800 im Vergleich zum Vorjahr. Doch entschieden sich gerade mal 2,5 % der Ausbildungswilligen für einen der „grünen Berufe“.

„Wir müssen uns anstrengen, den jungen Leuten eine Perspektive zu geben, mehr Lohn, mehr Freizeit. Die Vorteile, sich für einen Beruf heute in der modernen Landwirtschaft zu entscheiden, müssen überwiegen“, meint Dr. Michael Lohse, Sprecher des Deutschen Bauernverbandes. Ein Lichtblick für die Landwirtschaft: Frauen aus den Städten fragen vermehrt nach Ausbildungsplätzen in der Landwirtschaft nach.

Fakten

Fakten

Seit 1995 bis zum Jahr 2013 schrumpfte die Anzahl der Betriebe von 587.744 auf 285.000. Gleichzeitig verdoppelte sich dabei die durchschnittliche Größe je Betrieb auf 59 Hektar.

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Journalist

Jörg Wernien

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